Montag, 5. Dezember 2016

R. Brambach: Känsterle - Aufgaben

Überprüfe, was wirklich im Text steht:
1. Streiche die falschen Sätze mit Bleistift durch;
2. notiere zu den richtigen Sätzen die passende Textstelle (Zeilenangabe).

Sätze:
Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.
Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend.
Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um.
Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm.
Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.
Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.
Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried.
Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.
Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen.
Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.
Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter.
Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten.
Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt.
Er stopft Prospekte in seine Stiefel.
Seine Frau hat Geschirr gespült.
Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.
Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn.
Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus.
Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.
Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben.
Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen.
Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß.
Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen.


Lösung
Richtige Sätze:
Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend. (Zeile 1)
Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried. (1)
Känsterles Frau hat Geschirr gespült. (3 f.)
Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen. (6 f.)
Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten. (13 f.)
Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben. (16 f.)
Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm. (20 ff.)
Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen. (25 f.)
Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen. (29 f.)
Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß. (33 ff.)
Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um. (36 ff.)
Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter. (41 ff.)
Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt. (49)
Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus. (54 ff.)
Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn. (57 ff.)

Falsche Sätze:
Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.
Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.
Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.
Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.
Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.
Känsterle stopft Prospekte in seine Stiefel.
Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.
Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.

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Übung zum Wortschatz (Antonyme) – zu Brambach: Känsterle
Wenn man schreibt und ein Wort wählt, hat man viele andere nicht schreiben wollen. Vor dem Hintergrund des Gegenteils (eines nicht gewählten Gegenwortes, eines Antonyms) wird die Bedeutung eines Wortes erst richtig klar. – Oft gibt es mehrere mögliche Antonyme; oft wird erst im Kontext klar, welches Antonym wirklich passt.

Aufgabe: Suche zu aufgelisteten Substantiven der Erzählung Brambachs das im Kontext passende Antonym und schreibe es auf. Beginne mit den Antonymen, bei denen du dir sicher bist, dass sie passen:
Feierabend   ______________________
Buben   _______________________
Küche   ________________________
Frühjahr   ________________________
Parterre   ________________________
Ferien   ________________________
Schwarz   ________________________
Herzschlag   ________________________
Witwe   _________________________
Nikolauskostüm   __________________________
Redner   __________________________
Kopf   __________________________
Konsum   __________________________
trübes Licht   __________________________
Dachboden   __________________________
Stiefel   __________________________
Sack   __________________________
Backpfeife   __________________________
Scherben   __________________________
Türen   __________________________

Liste der möglichen Antonyme:
Weiß, Hintern, Beutel, Anzug, Mädchen, Geschirr, Ehefrau, Fenster, Arbeitszeit, Keller, Wohnzimmer, Feinkostgeschäft, Herbst, Handwerker, Obergeschoss, Handschuhe, Zärtlichkeit, Unfall, strahlende Helle, Wochenende

Montag, 21. November 2016

"Faust" in "EinFach Deutsch" (Schöningh)

Heute hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie die Gretchentragödie in „EinFach Deutsch“ verschandelt wird:
Szene „Straße“ wird auf 14 Verse reduziert (V. 2605 ff.).
Aus Szene „Abend“ (V. 2678 ff.) werden sechs Verse angehängt.
Aus Szene „Abend“ (V. 2783 ff.) wird Gretchens Monolog vor dem Kästchen (22 Verse) präsentiert.
Aus Szene „Garten“ (V. 3073 ff.) sind die Elemente ‚Marthe-Mephisto’, aber weithin auch Gretchens Bericht von der Sorge um das Schwesterchen (V. 3125 ff.) gestrichen.
Fazit: Von 600 Versen sind circa drei Viertel gestrichen, darunter die Schlüsselszene V. 2687 ff. (Fausts Monolog in Gretchens Zimmer) und das Lied vom König in Thule; die Figuren Mephisto und Marthe fehlen völlig – es ist einfach unfassbar!
Was Frau Löhrmann allein nicht schafft: das Gymnasium demolieren, das bringt EinFach Deutsch zum Abschluss - und zwar an der Marienschule in Mönchengladbach, dem heimlichen Elitegymnasium der Stadt.
Ich schlage als nächste Stufe der Reduktion des „Faust“ resp. der Gretchentragödie vor:
  • Faust lernt Gretchen kennen
  • Sie verlieben sich ineinander
  • Gretchen wird schwanger, tötet ihr Kind und wird wahnsinnig
  • Faust kann sie nicht retten und verlässt sie.
Diesen Kurztext kann eigentlich jeder verstehen, sodass dann auch jeder in NRW Abitur machen kann. Nur – was fangen wir mit solchen „Abiturienten“ an? Und was hat diese Boulevard-Kurzmeldung mit Goethes „Faust“ zu tun? Auch nicht viel weniger als die 'EinFach Deutsch'-Kurzfassung!

Donnerstag, 17. November 2016

Leichte Sprache

Texte in Leichter Sprache oder Einfacher Sprache werden für Menschen, die Informationen in Alltagssprache nur schwer verstehen können, geschrieben.
Die Leichte Sprache
  • verzichtet auf Fremdwörter, Fachwörter und lange Sätze. Wenn Fach- oder Fremdwörter verwendet werden, müssen diese erklärt werden.
  • Die Ausdrucksweise ist leicht verständlich.
  • Das Layout ist einfach gestaltet.
Viele Menschen, die Bücher in leichter und einfacher Sprache lesen, haben neben der Leseschwäche auch häufig körperliche Einschränkungen. Daher werden Texte in Leichter Sprache in größerer Schrift und auf dickerem Papier gefertigt. Bilder helfen Texte zu verstehen, aber nur wenn sie zum Text passen.
Die Zielgruppe der Texte in leichter und einfacher Sprache sind Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen; Menschen mit Einschränkungen, Menschen, denen es schwerfällt, sich mit einem Text länger zu beschäftigen, und auch die, die Deutsch als Fremdsprache lernen wollen.
Leichte Sprache ist von vielen Bürgerinnen und Bürgern besser zu verstehen und erleichtert ihnen den Zugang zu Informationen und Literatur, damit sie selbständig am öffentlichen Leben teilhaben können.

(Text aus dem 2. Link, von mir korrigiert)
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache
https://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/bezirkszentralbibliothek-frankfurter-allee/veranstaltungen-und-projekte/artikel.81026.php (mit Downloads)
http://www.komm-auf-tour.de/projekt/beschreibung/leichte-sprache/ weitere Links
http://abc-projekt.de/leichte-sprache/ (Info mit Beispielen)
http://www.mj.niedersachsen.de/startseite/leichte_sprache/pilotprojekt_leichte_sprache/pilotprojekt-leichte-sprache-in-der-niedersaechsischen-justiz-123609.html (Info mit jurist. Beispielen, die aber nicht rechtsgültig sind)
http://www.ndr.de/fernsehen/service/leichte_sprache/Nachrichten-in-Leichter-Sprache,nachrichtenleichtesprache100.html (Beispiel)
http://www.inklusion-in-sachsen.de/de/in-leichter-sprache/index.php (Beispiel)
https://www.aktion-mensch.de/leichte-sprache/magazin/projekte_leichte_sprache.html (Magazin)
http://research.uni-leipzig.de/leisa/de/ (Forschungsprojekt)
http://www.deutschlandradiokultur.de/philosoph-konrad-paul-liessmann-ueber-die-grenzen-der.976.de.html?dram:article_id=371368 (kurze kritische Erörterung)
Unter „Projekt Leichte Sprache“ findet man weitere Links.

Mittwoch, 16. November 2016

Schnurre: Jenö war mein Freund - zeitgeschichtlicher Hintergrund

(Ich beziehe mich auf den Ausdruck von http://archive.mu.ac.in/arts/ling_lang/german/New%20admission%20German.pdf, S. 4-6, der bei mir 114 Zeilen umfasst. Der Text weist mehrere Schreibfehler auf; richtig ist "aus" Z. 32, "Backenbart" Z. 44, "Lehm" Z. 84, "da" Z. 104.)


Das erzählte Geschehen spielt gegen Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland – man lernte in der Schule nichts Vernünftiges mehr (Z. 69 f. – entweder weil viele Lehrer als Soldaten eingezogen waren oder wegen des Übermaßes an Kriegspropaganda). Das sieht man auch am „Blockwart“ (Z. 95: https://de.wikipedia.org/wiki/Blockleiter), an „Kreisleitung“ (der NSdAP, Z. 95), am Einsatz von SA und SS bei der Verhaftung und Ermordung der Zigeuner (Z. 106 ff.); „später“ (Z. 94), also nach dem Kriegsende, kam vieles vom Nazitreiben ans Licht, „damals“ (Z. 113) wussten manche Leute, v.a. die Kinder nicht Bescheid, was mit den verhafteten Zigeunern passierte (vgl. Z. 108 ff. – nur die Alten wussten es).
Die Zigeuner (vgl. Z. 23 f. und später) hatten auch vor der Nazizeit einen schlechten Ruf; notiere, was du hierzu findest:
  • Jenös Kleidung (Z. 6)
  • Jenös Geruch (Z. 6 f., 30)
  • seine Essgewohnheiten (Z. 11 f., 14, 75 ff.)
  • Rauchen (Z. 17-19)
  • Geschicklichkeit (43-45; 50 ff.; 63 ff.)
  • Schulbesuch (Z. 69)
  • Begriff von Eigentum (34 -> 42; 98-104)
  • Sprache (Z. 92)
Die Lebensweise der Zigeuner findest du in Z. 6 f., Z. 68 und Z. 75 ff. erwähnt, die Besonderheit der Oma Z. 71 ff.
Dieser fremden Lebensweise entsprechen die Bedenken des Vaters (Z. 23) gegen die Freundschaft seines Sohnes mit einem Zigeunerjungen, vor allem wegen der Reaktion der anderen, der „Leute“ (Z. 26, 94 f.). Der Vater hat schließlich Verständnis sowohl für die Freundschaft wie für die andere Lebensweise und trotzt dem, was die Leute sagen und denken; notiere dazu Stichworte nach der Darstellung in Zeile
  • 27 f.
  • 31-33
  • 36-39
  • 96 f.
Heute gilt es als nicht korrekt, wenn man von Zigeunern spricht, heute soll man „Sinti und Roma“ sagen – dadurch ändert sich aber eigentlich nichts. Vgl. auch https://www.helles-koepfchen.de/zigeuner-oder-sinti-und-roma.html u.a.
(z.B. http://www.gfbv.it/3dossier/sinti-rom/de/rom-de.html)

In der Datei http://luimartin.altervista.org/Schnurre%20W.pdf, S. 6 ff., findest du Text und Materialien für den Unterricht; der Text ist offenbar für italienische Schüler aufbereitet. – Du siehst, Schnurres Kurzgeschichte erfreut sich internationaler Beliebtheit.

Samstag, 12. November 2016

google und Metager

sind derzeit, was das Finden neuer Beiträge angeht, die lahmsten Enten von allen großen Suchmaschinen: Nach vier Tagen finden sie meinen neuesten Beitrag in norberto42.wordpress.com oder http://dito42.blogspot.de nicht, während die anderen Suchmaschinen ihn anzeigen. Google war früher viel besser, nach einem Tag wurde dort ein neuer Beitrag präsentiert.
Metager ist sowieso der letzte Schrott: Was die alles als "Ergebnis" anbieten, hat mit der Suchfrage nicht viel zu tun. Wer's nicht glaubt, kann ja mal "Motiv Wort, Worte in Faust I" bei Metager eingeben, dann bekommt er außerordentlich lustige Ergebnisse.

P.S. Ein aus guten Gründen anonym bleibender „Carsten“ hat im Kommentar geantwortet (s.u.). Das Problem ist, dass z.B. bei den ersten zehn Ergebnissen bei Metager fünf überhaupt nichts mit „Faust“ zu tun haben und die übrigen fünf keine Suchergebnisse zur Frage sind. Metager findet wenigstens "Die Wortproblematik, ein Motiv in Faust I", während google auch heute (14.11.) gar nichts findet.
Zweites P.S. (09.12.16)
In einer weiteren Antwort hat Carsten Riel (diesmal mit Namen) die Tatsache, dass MetaGer ein Metasucher ist, für die Ausfälle beim Suchen verantwortlich gemacht. Das ist aber nicht zutreffend: Andere Metasucher liefern bessere Ergebnisse als MetaGer. 
Drittes P.S. (09.12.16)
Ich habe gerade noch einmal mit "Goethe: Faust - Motiv Worte, Wortproblematik" einen Test gemacht: Das richtige Ergebnis liefern MetaGer, Ixquick, unbubble, oneseek, unbubble, metacrawler=excite, dogpile und ecosia.org.; manche von früher bekannte Metasucher fallen einfach aus, lassen endlos warten oder liefern nichts; eTools liefert das richtige Ergebnis, aber mit Hindernissen. Google liefert inzwischen ebenso das Ergebnis, natürlich auch Bing, Duckduckgo und Swisscows oder http://search.lilo.org/.

Donnerstag, 10. November 2016

Eine Erzählung verstehen

Zugleich ein Beitrag zur Analyse von Borchert: Das Brot.

Am Beispiel von Borcherts Erzählung „Das Brot“ möchte ich exemplarisch untersuchen, welche Aspekte oder Dimensionen des Verstehens es dabei gibt. Ich beziehe mich auf die Textausgabe http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/ruckblickende-kurzfilme/die-filme-2/das-brot-2.html (Zeilenzählung der Seite, die nach Anklicken des Druckersymbols oben rechts angezeigt wird bzw. beim Ausdrucken vorliegt: 47 Zeilen).
  1. Die Bedeutung von Wörtern muss man kennen oder aus dem Kontext erschließen, damit man den Satz versteht. Der Satz (das Syntagma) ist die erste Dimension des Verstehens. Satz: „als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr“ (Z. 2 f.); „fahren“ hat laut „Duden. Deutsches Universalwörterbuch“ (7. Aufl.) 11 Hauptbedeutungen, hier passt die Bedeutung 9.b) „[mit einer schnellen Bewegung] über, durch etwas streichen, wischen, eine schnelle Bewegung machen“. Wenn ich diese Bedeutung von „fahren“ kenne oder ahne, verstehe ich den genannten Satz (Wörter kann man also nicht verstehen, man kann nur ihre Bedeutung/en kennen).
  2. Aus den Sätzen in ihrer Abfolge kann man das erzählte Geschehen oder die beschriebene Situation verstehen (Z. 1-6, meistens aus den paradigmatischen Alternativen): wachte sie auf (eine Frau, hat geschlafen) / „Ach so!“ (personal erzählt: ihre Sicht) / in der Küche (vs. Schlafzimmer) / zu still (verlangt eine Erklärung) / das Bett neben sich ... leer (hat einen Mann, der fehlt) / „Das war es“ (setzt „Ach so!“ und „zu still“ fort: Sie erklärt sich etwas.) / durch die dunkle Wohnung (bereitet „Licht“ vor) / „In der Küche trafen sie sich.“ (verfrühte Erklärung des Erzählers!) / Die Uhr... (Datierung) / „etwas Weißes“ (bereitet die Lösung vor) / „Sie machte Licht.“ (ermöglicht die Lösung) / „Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche“: Das ist die groteske Situation, in die schrittweise eingeführt wird; grotesk deshalb, weil Paare nachts normalerweise nebeneinander im Bett liegen. – Diese groteske Situation wird in zwei Schritten aufgelöst; das ergibt die Struktur der Erzählung (s.u.).
  3. In dieser Situation kann/muss man die Bedeutung von Ereignissen verstehen, d.h. verschiedene Sätze aufeinander beziehen. Beispiel: „Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte.“ (Z. 7, mit nachfolgender Erklärung) <-> „‚Ich dachte, hier wär was’, sagte er und sah in der Küche umher.“ (Z. 11) Was die Frau sieht, widerspricht dem, was der Mann sagt (was sie hört); die Frau „sieht“ also, dass er lügt, was in Z. 17 ausdrücklich gesagt wird.
  4. „‚Ich habe auch was gehört’, antwortete sie...“ (Z. 12) – das ist ein zweideutiger Satz, weil sie damit sein Rumoren (Z. 1 f.) meint, während er das als Bestätigung seiner Lüge auffassen könnte. Der Leser kann diese Zweideutigkeit verstehen, der Mann nicht. – Die Frau wiederholt später ihren Satz (Z. 21), gibt ihm dort aber eine andere Bedeutung, was dem Leser durch die Fortsetzung „aber es war wohl nichts“ und den Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe (Z. 22) deutlich wird. Der Leser versteht, wie die Frau die groteske Situation entschärft.
  5. In oder aus der Situation der nächtlichen Begegnung und dem Lügen des Mannes ist es denkbar, dass einzelne Wendungen eine tiefere Bedeutung gewinnen. Ich denke dabei an die Wendung, das sie „im Hemd“ standen, was wiederholt gesagt wird (Z. 5, 12, 14). Sie finden beide, dass der jeweils andere im Hemd älter als sonst aussieht – hier wird also die Wahrheit offenbar („So alt wie er war.“, Z. 13), während der lügende Mann die Wahrheit nicht erkennt (vgl. Z. 14 f.). Die Kleidung verbirgt am Tag das wahre Alter, welches „im Hemd“ sichtbar wird.
  6. Der Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe.“ (Z. 22) hilft dem Leser, das Agieren der Frau zu verstehen.
  7. Die Struktur der Erzählung ist dadurch bestimmt, dass zunächst eine groteske Situation beschrieben wird (s. oben 2.), die dann in zwei Schritten (vgl. 6.) aufgelöst wird: Bis Z. 39 wird erzählt, wie die Frau sich bemüht, in der Nacht mit der Lüge ihres Mannes klarzukommen, und das auch mühsam schafft (er kann essen, sie kann schlafen, Z. 37-39). Dann wird nach einem Zeitsprung (V. 40) erzählt, welche Konsequenzen sie aus seinem heimlichen Brotdiebstahl zieht und wie sie wieder in ein normales Leben kommen.
  8. Welche Themen und Motive in dieser Struktur „arbeiten“, erkennt man am Kontrast Dunkel-Licht und am Wortfeld des Sehens: sehen, ansehen, aufsehen, aussehen. Die Kontraste und das Wortfeld sind miteinander im Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge verschränkt, auch wenn sie hier analytisch gesondert untersucht werden: a) Zuerst ist es dunkel in der Wohnung, dann macht sie Licht (Z. 5). Im Licht erkennt man die groteske Situation und sie entdeckt die Lüge ihres Mannes; mit ihr kann sie dann leben, als sie wieder das Licht löscht (Z. 26). Am Abend ist es hell, aber sie geht von der Lampe weg (Z. 42), bis die neue Aufteilung des Brotes als richtig oder begründet von beiden akzeptiert ist – eine Konsequenz ihres Umgangs mit seiner Lüge. Dann setzt sie sich unter die Lampe an den Tisch (Z. 47). b) Die Wendungen des Sehens behandle ich kurz: „Sie sah“ (Z. 7, plus folgende Erklärung) die Wahrheit. Sie sah von dem Teller weg (Z. 10, dem Beweisstück des Diebstahls und der Lüge). Er sah (zur Bestärkung seiner Lüge) in der Küche umher (Z. 11). Sie fand, dass er im Hemd älter aussah als tagsüber (Z. 12 f.: „So alt wie er war.“). Sie sieht ziemlich alt aus, dachte er (Z. 13 f., mit falscher Erklärung). Sie sah ihn nicht an (Z. 17). Er sah sinnlos umher (Z. 19, vgl. Z. 11). Er sah zum Fenster hinaus (Z. 24, vgl. Z. 19). Sie will nicht nach dem Teller (Beweis seiner Lüge) sehen (Z. 25, vgl. Z. 10 und 17). – Als es dunkel ist (Z. 29), wird das Sehen durch das Hören ersetzt (unecht, Z. 34; sie hörte, Z. 37; sie atmete absichtlich tief und regelmäßig, Z. 37 f.). – Am Abend brennt die Lampe, aber sie ging von der Lampe weg (Z. 42, damit er sie bei ihrem Lügen nicht sah). Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte (Z. 44) und nicht aufsah (Z. 44, um sie nicht ansehen zu müssen). Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe, also gut sichtbar ins Licht (Z. 47).
  9. Was wollte der Autor Borchert mit dieser Erzählung „sagen“? Das geht aus der Erzählung nicht hervor; dazu müsste man das Gesamtwerk und Äußerungen des Autors heranziehen.
  10. Was haben die Leser aus dieser Erzählung 1946 und in den folgenden Jahren gehört? Auch das geht nicht aus dem Text hervor; man könnte das Handeln der Frau vorbildlich finden (selbstloser Verzicht zugunsten des geliebten Mannes), man könnte es auch kritisch sehen (Klischee der opferbereiten Frau, Vorrecht des Mannes). Wie die Leser einen Text verstehen, kann man nur durch empirische Untersuchungen herausfinden.
Vgl. auch die Aufgaben zu dieser Kurzgeschichte (https://norberto42.wordpress.com/2016/11/08/aufgaben-zu-wolfgang-borchert-das-brot/), welche man nach dieser Analyse vielleicht überarbeiten müsste.

Mittwoch, 9. November 2016

Über Grenze und Schwäche der politischen Satire

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Kommentar zur Wahl Trumps, am Morgen nach der Wahl – zugleich ein Beitrag über die Grenze der politischen Satire:
„[...] Bisher konnte man sich zumindest noch in den Galgenhumor flüchten. Nicht umsonst heißt es, Humor mache das Leben erträglicher. Das stimmt insofern, als dass Humor ein Weg ist, das persönliche und ganz generelle Weltgeschehen zu betrachten. Über etwas zu lachen - und sei es auch nur über sich selbst - schafft eine wohltuende Distanz. Was nicht mehr ganz so nah an mir dran ist, tut mir nicht so weh. Vielleicht wurde Humor nie so inflationär als Bewältigungsstrategie eingesetzt wie zurzeit. Wobei das schon die erste problematische Verallgemeinerung ist, denn Humor ist keine demokratische Bewältigungsstrategie, sondern eine ziemlich elitäre.
Wie heißt es gerne? Ironie ist der Humor der intelligenten Menschen. Besonders häufig macht sich der bildungsbürgerlich aufgeklärte Mensch über Dinge lustig, die er nicht durchdringt, denen er sich hilflos ausgesetzt fühlt, die er eben nicht klar kriegt. Das widerspricht fundamental seinem Selbstverständnis.
Humor ist da der Konsistenzkitt, er bringt den selbstauferlegten Anspruch des aufgeklärten Bürgers mit seinem gefühlten (oder tatsächlichen) Handlungsspielraum in Einklang. Es ist vergleichsweise leicht, nach einer Ausgabe Die Anstalt zum Thema Flüchtlingskrise mit einem wohligen Gefühl ins Bett zu gehen. Wurde der komplexe Gegenstand gut recherchiert? Scharf analysiert? Bekömmlich präsentiert? Check, check, check. Noch einmal über das Gesehene schlafen, am nächsten Morgen mit den Kollegen die besten Szenen und treffendsten Pointen nachbesprochen, politische Schuldigkeit getan, nächstes Thema. [...]
Nicht falsch verstehen. Selbstverständlich ist es richtig und wichtig, dass es politische Satire gibt und dass sie geschützt ist. Aber Satire wird dann problematisch, wenn sie bloßes Mittel der Selbstvergewisserung ist. Humoristische Überhöhung ist gefährlich, wenn sie Dinge tatsächlich vereinfacht. Am Ende jedes Anti-Trump-Videos von Jon Stewart, John Oliver oder Stephen Colbert stand die beruhigende Botschaft: Ich stehe auf der richtigen Seite, auf der Seite der Wahrheit. An diesem Morgen muss ich erkennen, dass es zwischen Wahrheit und Nicht-Wahrhaben-Wollen ein schmaler und gefährlicher Grat ist.
Ich bin abgestürzt auf den Boden der Tatsachen. Und auf diesem Boden leben Menschen, deren Beweggründe für ihr Trump-Votum ich zumindest hätte anerkennen müssen, anstatt sie pauschal als nicht gerechtfertigt abzuwehren. Was beschwert sich der weiße Farmer aus dem mittleren Westen, dem geht es doch gut im Vergleich zu vielen Latinos oder Schwarzen in den USA! Das mag inhaltlich stimmen, aber die moralische Arroganz hinter diesem Denken ist fatal. Viele Menschen, die nun Trump gewählt haben, wollten weder Trump noch Clinton - sie wollten eine Veränderung, mit allen Mitteln. Wohin dieser unbedingte und gerade nicht vorausschauende Protest- und Veränderungswille führen kann, das zeigt das Brexit-Votum, das zeigen die jüngsten Landtagswahlen, bei denen die AfD für schockstarre Gesichter in den TV-Studios und Wohnzimmern sorgte.
An diesem Mittwochmorgen im November heißt das politische Schreckgespenst Donald Trump, und es ist umso angsteinflößender, weil es real geworden ist. Zum Leben erweckt von Menschen, die politische Beobachter mit Adjektiven beschrieben haben, die jeden Psychologen alarmieren würden: abgehängt, desillusioniert, wütend. Doch ich habe diese Warnzeichen nicht ernstgenommen, habe ihnen das Zuhören verweigert. Ich habe mich bis zuletzt darauf verlassen, dass es reicht, Donald Trump immer wieder in seiner ganzen lächerlichen Hybris vorzuführen. Vorführen zu lassen, am liebsten von klugen Satirikern, die Trumps Lügen Fakten entgegengesetzt und den ganzen Wahlkampfwahnsinn humoristisch überhöht haben.
Doch Trumps Wähler haben Humor vielleicht nie gelernt, ganz sicher aber ist diese Wahl für sie - und uns - kein Spaß. Der Humor ist tot an diesem Morgen. Es braucht eine neue Bewältigungsstrategie.
(Johanna Bruckner: Oh mein Gott. Es ist passiert, SZ-online am 9.11.2016, 12:05 =

Sonntag, 16. Oktober 2016

Schreiben lernen, Alphabetisierung

Es gibt eine Broschüre "Praxis Schreibenlernen", die man bei Pelikan herunterladen kann: https://www.pelikan.com/pulse/vfs-public/Downloads/DE/lehrer-info/schreibenlernen/praxis-schreibenlernen-2008.pdf?download; sie gibt viele nützliche Hinweise für den Unterricht im Schreibenlernen.

Dienstag, 27. September 2016

Jugendsprache Verlan


Zufällig habe ich dieser Tage auf Arte eine kleine Einführung in die französische Jugendsprache Verlan gesehen; sie oder er (der Verlan) beruht auf dem witzigen Prinzip, Silben oder Teile eines Wortes zu vertauschen. Es scheint, dass sie ihre Blütezeit um 1990 hatte – ich wollte hier nur darauf hinweisen, dass es so etwas gibt bzw. gegeben hat.

Montag, 5. September 2016

Kultur des Durchwinkens

Es gibt eine neue Studie „Ausbildungsreife und Studierfähigkeit“ der KAS (http://www.kas.de/wf/doc/kas_44796-544-1-30.pdf?160407120128 ), darin steht ein Beitrag von Gerhard Wolf über Ursachen und Folgen einer nachlassenden Studierfähigkeit heutiger Jugendlicher (S. 10 ff.). Die WELT hat ein Interview mit Gerhard Wolf über das Thema geführt: http://www.welt.de/vermischtes/article157948609/Bewahrt-die-Schueler-vor-der-Kultur-des-Durchwinkens.html. Daraus kurz einige Auszüge:

Die Welt: Fehlt es an erlernbaren akademischen Techniken oder an Begabung?
Wolf: Oder schlicht an der Intelligenz. Man muss es differenziert sehen. Rechtschreibung und Grammatik kann man durch Übung erlernen, vor allem durch Lesen. Aber für eine wissenschaftliche Ausbildung braucht man schon eine höhere Begabung. Nimmt man zu den statistisch belegten 15 Prozent Hochbegabten noch weitere zehn Prozent Begabte in einem Abiturjahrgang hinzu, sind etwa ein gutes Viertel ohne Einschränkung für die wissenschaftliche Ausbildung geeignet. Inzwischen haben wir aber eine Studienanfängerquote von 58 Prozent eines Geburtsjahres. [...]
Die Welt: Sind die Studienanfänger nicht einfach um ein bis drei Jahre zu jung?
Wolf: Es ist wahr. Die akademische Unselbstständigkeit ist enorm, und auch die Versagensangst ist größer geworden, wobei jedoch auf der anderen Seite bei den Studenten das Selbstbewusstsein, gerade bei der Organisation des Alltags, erstaunlich hoch ist. Die Studierenden sind also in einem praktischen Sinne durchaus lebenstüchtig. Große Defizite gibt es aber in puncto Selbsterkenntnis, was sich oft in grober Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten niederschlägt. […] Dümmer sind sie nicht als die früheren Generationen. Nach der Intelligenzforschung nimmt der IQ eher zu. Aber viele der Studienanfänger haben noch nicht erkannt, wofür sie in ihrem Leben am besten geeignet sind. Das müssen sie noch herausfinden. Ich hüte mich auch vor Aussagen zur Intelligenz, sondern sage meinen Studierenden: „Sie beherrschen die deutsche Grammatik nicht [hier fehlt „deshalb nicht“, N.T.], weil Sie zu dumm sind, sondern zu wenig lesen oder sich nie systematisch damit auseinandergesetzt haben.“
Die Welt: Kritiker sagen, die Universitäten haben sich durch zu gute Benotung eine Menge Probleme selbst geschaffen.
Wolf: Natürlich. Das hat sich über lange Zeit entwickelt: Die Noten wurden – nicht nur in den Geisteswissenschaften – immer besser, wie auch eine Studie des Wissenschaftsrats belegt. Demnach erreichten 80 Prozent aller Prüflinge im Jahr 2011 entweder die Note „gut“ oder „sehr gut“. Wissenschaftler optimieren eben auch und folgen der Devise: „Ein zufriedener Student macht keinen Ärger.“ […]
Die Welt: Was also können und müssen wir tun, um diesen Schaden abzuwehren?
Wolf: Man muss sich von der „Kultur des Durchwinkens“ verabschieden. Ob an der Schule oder an den Universitäten: Wir müssen unsere Aufgabe als Mentoren unserer Schüler und Studenten ernst nehmen, die Benotungen wieder an der Gaußschen Normalverteilung ausrichten und unsere Meinung über erbrachte Leistungen offen kommunizieren.

Die Kultur des Durchwinkens gibt es auch an den Schulen, wo sie nicht nur von Eltern begrüßt wird, sondern auch von den Schulleitern und vor allem von den Gleichheits-Politikern: Man denke an den Bohei, der vor ein paar Jahren um Sabine Czerny in Bayern gemacht wurde, die mit ihrer Einser-Inflation alle Kolleginnen ausstach: Sogar in der SZ war sie die Märtyrerin des guten schülerfreundlichen Unterrichts, sogar die katholischen Priester haben ihr als vom bösen Schulrat Verfolgte irgendeine Medaille für Zivilcourage verliehen – dabei hatte sie nur ein gute Lobby.
Die Kultur des Durchwinkens gab es in Einzelfällen schon vor 30 Jahren (nicht nur) am FMG, wo Kollegen sich damit einen Freiraum schufen, um inner- und außerhalb des Unterrichts ihren Hobbies nachgehen zu können (oder eigene Unfähigkeit zu kaschieren); bei einem Lehrerwechsel hieß es dann: Mein Kind war aber vorher gut (oder sehr gut) – nein, es war nicht gut, es hatte nur eine gute Note. Ich könnte leicht die Kollegen namentlich benennen...